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Nachruf auf Doris „Bertl“ Kunkel (10. Dezember 1932 – 14. April 2026)

Die NaturFreunde Württemberg trauern um Doris „Bertl“ Kunkel – eine Frau, die unseren Verband über Jahrzehnte geprägt hat: politisch klar und solidarisch. Eine Frau, die Haltung zeigte, ohne zu spalten. Eine Frau, die Generationen zusammenbrachte. Eine, die uns fehlen wird.

Doris kam schon früh zu den Naturfreunden – geprägt von einer antifaschistischen Familiengeschichte, die sie nie losgelassen hat. Diese Geschichte hat Doris’ Blick auf die Welt geschärft: Sie war offen für vieles, aber kompromisslos, wenn es um Menschenwürde und Demokratie ging. „Nie absolut, nie dogmatisch, nie ausschließend – außer es wurde braun“, so hat ein Weggefährte sie beschrieben. Treffender kann man es kaum sagen.

Seit 1959 war Doris in der OG Heslach aktiv, später auch im Bezirk Stuttgart und im Landesverband. Sie war eine der Frauen, die in den 1970er Jahren die politische Frauenarbeit im Verband aufgebaut haben – selbstbewusst und mit einem klaren Verständnis davon, dass Frauen nicht nur „mithelfen“, sondern gestalten. Unter ihrer Mitwirkung entstanden landesweite Frauentreffen, feministische Bildungsarbeit, Vernetzung über Bezirke hinweg und eine Kultur des Miteinanders, die bis heute trägt.

In den 1990er Jahren übernahm Doris Verantwortung als stellvertretende Landesvorsitzende – in einer Zeit, die für die Naturfreunde alles andere als einfach war. Die Situation rund um die Naturfreunde-Häuser sowie strukturelle und finanzielle Herausforderungen. Die Kehrtwende, nach dieser schwierigen Zeit kam durch die inhaltliche Neuausrichtung des Verbands: Doris hat diese Phase mit Klarheit, Mut und einer beeindruckenden Portion Organisationstalent angestoßen. Sie hat „Arbeiten gemacht, die gemacht werden mussten“, wie es ein langjähriger Mitstreiter formulierte. Und sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass die NaturFreunde Württemberg als Umweltverband anerkannt wurden – ein Meilenstein, der bis heute wirkt.

Doch Doris war weit mehr als ihre Funktionen. Sie war eine Frau, die Räume geschaffen hat – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In der Kulturarbeit der OG Heslach hat sie Horizonte geöffnet, Künstler*innen eingebracht, Diskussionen angestoßen und dafür gesorgt, dass Kultur bei den Naturfreunden nicht nur politisch, sondern auch vielfältig und gemeinschaftlich war. Sie war eine Gastgeberin im besten Sinne: Die jährliche Ausschusssitzung bei ihr zu Hause galt bei den Teilnehmenden als „die schönste Naturfreunde-Veranstaltung des Jahres“. 2025 wurde Doris einstimmig zur Ehrenvorständin der OG Heslach gewählt – eine herzlichere Anerkennung ihres jahrzehntelangen Wirkens.

Ihr Engagement das gemeinschaftliche Wohnprojekt WABE mit aufzubauen zeigt, wie konsequent Doris ihr Verständnis von Solidarität lebte. Viele Freundschaften, die sie über Jahrzehnte gepflegt hatte – auch international – fanden in ihrem Gästezimmer einen Platz. Die WABE blieb auch im Alter ein Zuhause für Doris, umsorgt von ihren Töchtern, ihrer deutsch-afghanischen Wahlfamilie, Nachbarinnen und Naturfreund*innen.

Doris war eine Frau, die Menschen zusammenbrachte. Eine Frau, die den Jungen auch mal „den Kopf gewaschen“ hat, aber immer mit dem Ziel, Brücken zu bauen. Eine Frau, die zuhören konnte und Mut machte. Eine Frau, die nie vergessen hat, woher sie kam – und die uns gezeigt hat, wie politische Haltung und menschliche Wärme zusammengehen können.

Wir verabschieden uns von einer Genossin, die Spuren hinterlassen hat.
Von einer Naturfreundin, die uns gelehrt hat, dass Solidarität nicht nur ein Wort ist.
Von einer Frau, die uns fehlen wird – und deren Haltung wir weitertragen.

Berg frei, liebe Bertl.

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